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Projekt in Bitterfeld: Drei Wohnungen für Asylsuchende

Unterkunft

Ab 1. September werden Asylsuchende aus den Gemeinschaftsunterkünften in Friedersdorf und Marke in Bitterfeld untergebracht. Drei Wohnungen stehen dafür bereit.

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dpa

Bitterfeld/MZ -

Sina Alinis ist erschöpft. Seit dem 7. August befindet sich der Iraner mit mittlerweile vier weiteren Männern im Hungerstreik, um auf die Lebensbedingungen von Asylsuchenden aufmerksam zu machen. Jetzt, nach 13 Tagen, zeichnet sich ein kleiner Hoffnungsschimmer ab, denn der Landkreis Anhalt-Bitterfeld wird ab dem 1. September Asylsuchenden aus den Gemeinschaftsunterkünften in Friedersdorf und Marke drei Wohnungen in der Bitterfelder Innenstadt zur Verfügung stellen.

Ob Alinis und seine Mitstreiter eine dieser Wohnungen beziehen werden, ist ungewiss. Denn die Forderungen der Protestierenden stünden in keinem Zusammenhang mit dem neuen Wohnprojekt, sagt der amtierende Landrat Bernhard Böddeker. Ausschlaggebender für die Überlegungen seien vielmehr die Kapazitätsgrenzen in den Gemeinschaftsunterkünften gewesen.

Knapp 340 Menschen leben zurzeit in Friedersdorf und Marke. 20 weitere Asylsuchende kommen nach Aussagen von Böddeker monatlich hinzu. „Daher wollen und müssen wir neue Wege einschlagen“, sagt er und erklärt, was es mit den Wohngemeinschaften genau auf sich hat. „Wir haben in den Gemeinschaftsunterkünften Listen ausgelegt. Da das Projekt freiwillig ist, kann sich jeder bewerben.“ Die einzigen Auflagen seien, dass die Asylsuchenden ihre „Mitwirkungspflichten’“ erfüllen und ihnen keine unmittelbare Abschiebung droht. „Wir werden jeden Einzelfall prüfen.“ Denn auch der kulturelle und religiöse Hintergrund müsse beachtet werden.

Der Rest - so formuliert Böddeker allgemein - werde sich in der Praxis ergeben. „Wenn das alles gut funktioniert, dann werden wir das WG-Projekt ausbauen und weitere Wohnungen im gesamten Landkreis anmieten.“ Bislang gebe es aber wenige Interessenten. Sollte sich das ändern, kämen für das Projekt - je nach verfügbarem Wohnraum - auch Städte wie Köthen und Zerbst zur Unterbringung von Asylsuchenden in Frage. Für sie brächte der Umzug von der Gemeinschaftsunterkunft in die Wohngemeinschaft einige Vorteile mit sich, da beispielsweise die Kontrollen entfallen würden. „Die Menschen sollen hier eigenverantwortlich leben“, sagt Böddeker. Gleichzeitig werde aber auch die Betreuung „stark zurückgefahren“. „Wir bieten jedoch bei Bedarf weiterhin Unterstützung an.“

Der Iraner Sina Alinis hört sich das alles geduldig an. „Ich frage mich, warum das alles erst jetzt passiert?“ Er wolle sich nun zunächst mit den anderen Protestierenden beraten und überlegen, ob der Hungerstreik noch fortgesetzt wird. Eine Wohnung in Bitterfeld wäre zwar ein Anfang, aber noch nicht die Lösung für all die anderen Probleme.


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