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Müllentsorgung in Anhalt-Bitterfeld: Ohne Chip läuft gar nichts mehr

So sieht ein Chip an der Mülltonne aus, er kann auch als Stift (ähnlich einem Niet) vorkommen. Erbefindet sich links unter dem oberen Rand der Tonne.

So sieht ein Chip an der Mülltonne aus, er kann auch als Stift (ähnlich einem Niet) vorkommen. Erbefindet sich links unter dem oberen Rand der Tonne.

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thomas Ruttke

Bitterfeld -

Die gute alte Banderole an der Mülltonne ist Geschichte. Mit Jahresbeginn ist im gesamten Landkreis das so genannte Identsystem in Kraft getreten, mit dem die Entsorgung des Abfalls, die Leerung der Behälter, elektronisch gesteuert und registriert wird.

Bei den Kreiswerken Anhalt-Bitterfeld indes klingeln sich in diesen Tagen die Telefone heiß. „Wir kriegen viele Anrufe, dass die Leute die Banderole vermissen“, sagt Kreiswerke-Chef Hartmut Eckelmann. „Die aber gilt nicht mehr.“ Wer keinen Chip im sogenannten Nest links unterm Rand seiner Tonne hat und damit auch keinen sichtbar an der Tonnenwand angebrachten Aufkleber mit Angabe des Ortes, der Straße sowie der Haunummer und einen Strich-Code, sollte sich umgehend bei den Kreiswerken in der Salegaster Straße in Wolfen melden. „Ganz einfach kann man sagen: Wenn kein Aufkleber dran ist - an der Wand, nicht auf dem Deckel! -, ist auch der Chip nicht drin. Wir regeln das“, so Eckelmann.

Erklärungen im aktuellen Abfallkalender

Im aktuellen Abfallkalender ist ausführlich beschrieben, wie das System per Chip funktioniert und übrigens auch zum wiederholten Male, was man hätte tun müssen, um einen Mülltonnen-Chip zu bekommen. Seit längerer Zeit informiert das Unternehmen die Bürger des Landkreises über die Umstellung des Systems.

Fakt ist: Ohne das kleine elek-tronische Ding läuft gar nichts mehr. Wer jetzt noch eine ungekennzeichnete Tonne rausstellt, hat Pech. Die bleibt voll stehen, denn der elektronische Empfänger des Identsystems im Müllauto erhält so logischerweise kein Signal. Die Mülltonne kann also nicht gekippt werden. Und das übrigens sieht der Kreiswerke-Chef auch als großen Vorteil des neuen Systems: „Die ,U-Boote' werden jetzt erkannt.“

110 000 Behälter für Rest- und Bioabfälle sind im gesamten Landkreis Anhalt-Bitterfeld registriert und bis auf ganz wenige Ausnahmen mit dem Chip versehen. „Der Ist-Stand“, sagt der Kreiswerke-Chef, „nähert sich der Realität von 100 Prozent an.“

Eckelmann freut sich, dass das neue System nach einer erfolgreich gelaufenen Testphase im Jahr 2012 in Zscherndorf und in Sandersdorf nun im ganzen Kreis greift. Für die Mitarbeiter der Kreiswerke sei das eine enorme Arbeitserleichterung. Auch für die Bürger, ist er überzeugt, bedeutet es weniger Aufwand, weil sie sich nicht mehr um ihre Banderolen kümmern müssen. Und: „Wir haben jetzt ein narrensicheres, fälschungssicheres und gerichtsfestes System. In Echtzeit können wir nachweisen, wo und bei wem wir Müll abgeholt haben. Da kann es keinen Streit mehr geben. Immer, wenn der Chip kippt, geht es bei uns ,klack’ und sekundengenau auf den Server.“

Rund 500 000 Euro hat die Umstellung von Banderole auf Chip im gesamten Landkreis letztlich gekostet - 300 000 Euro die Kreiswerke Anhalt-Bitterfeld, die für die Altkreise Bitterfeld und Zerbst zuständig sind, den Rest das Unternehmen Tönsmeier, das im Altkreis Köthen den Müll abholt.

Anhalt-Bitterfeld übrigens gehört mit zu den letzten Entsorgungsdienstleistern in Sachsen-Anhalt, die das Chip-System eingeführt haben. Das hat laut Eckelmann einen Grund: „Vor zehn Jahren, als das anfing, hätten wir das Dreifache bezahlt.“ (mz)


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