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Insolvenzanträge vor dem Amtsgericht Dessau-Roßlau: Produktion bei Vetro Solar steht still

Vetro Solar

Bei Vetro Solar steht die Produktion derzeit still. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist eingesetzt worden, weil Gelder nicht bezahlt wurden.

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André Kehrer

Sandersdorf -

Die Wolken über dem Solarglashersteller Vetro Solar verdunkeln sich weiter. Zahlreiche Mitarbeiter des Unternehmens sowie eine Krankenkasse haben beim Amtsgericht Dessau-Roßlau Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte Gerichtssprecher Frank Straube.

Als Reaktion hat das Amtsgericht einen vorläufigen Insolvenzverwalter bei dem Sandersdorfer Unternehmen eingesetzt. Dieser prüft jetzt, ob tatsächlich eine Insolvenz vorliegt, zum Beispiel bei Zahlungsunfähigkeit. Nach jetzigem Stand ist dieser Fall anzunehmen, da gleich mehrere Mitarbeiter offene Forderungen angegeben haben.

Bei Vetro Solar stehen aktuell 30?Jobs auf dem Spiel. Und mehr noch: Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren bei der Stadt Sandersdorf-Brehna Außenstände von über zwei Millionen Euro angehäuft. Hinzu kommt ein offener Kredit gegenüber der Kommune: Nach Abschluss eines Mietkaufvertrags schuldet das Unternehmen der Stadt noch rund sieben Millionen Euro für die vorfinanzierte Produktionshalle. „Wenn es zur Insolvenz kommt, werden wir unsere Forderungen stellen und müssen dann abwarten, wie diese bedient werden können“, erklärte Sandersdorf-Brehnas Stadtrat Ronald König (Freie Wählerfraktion). Bürgermeister Andy Grabner (CDU) wollte sich am Mittwoch nicht äußern.

Produktion steht still

Momentan steht die Produktion in der Halle an der B?183 still. „Die Situation ist sehr bedauerlich“, sagt Vetro-Solar-Vertriebsleiter Ingo Stöhr. Nach seiner Einschätzung stammen die Verbindlichkeiten aus einer früheren Phase des Flachglas-Unternehmens: „Es handelt sich um Altlasten, die erdrückend gewesen sind“, erklärte Stöhr. „Aus vertrieblicher Sicht sind die Voraussetzungen aber momentan blendend. Wir streben an, die Produktion so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.“

Um die Schulden nun zu begleichen, wären laut Vetro-Solar-Geschäftsführer Morten Hansen Kapitalspritzen eine Option. „Wir arbeiten zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter an einer Lösung und befinden uns mitten im Prozess.“ Eine Zusage, dass es mit der Produktion in Sandersdorf-Brehna weitergeht, wollte er aber nicht treffen. Bereits in einigen Tagen könnte es laut Hansen eine Entscheidung geben.

Sollte sich eine Insolvenz bei dem Sandersdorfer Betrieb bestätigen, dann gibt es mehrere Möglichkeiten für das weitere Vorgehen. So kann laut Oliver Vahl, Mitarbeiter des vorläufigen Insolvenzverwalters, der Gesellschafter Geld zuschießen, um die Antragsteller zufriedenzustellen und gleichzeitig den Beweis für die Zahlungsfähigkeit zu erbringen. Hierbei handelt es sich um die norwegische Vetro Group AS. „Wir prüfen jetzt, was es für Sondierungsoptionen gibt – ob durch Mittel von Dritten oder durch den Verkauf das Geschäft aufrechterhalten werden kann.“

Die Stadt Sandersdorf-Brehna kennt die finanziellen Probleme bei Vetro Solar seit Jahren, kann aber nicht die Reißleine ziehen. Die Kommune muss Millionen-Verluste fürchten, wenn sie den Mietkaufvertrag von 2010 kündigt und damit die Partnerschaft beendet.

Ursprünglich wollte Vetro Solar vor allem die benachbarten Unternehmen wie Q-Cells und Sovello mit Dünnglas beliefern. Die beiden potenziellen Partner produzieren aber im Solar Valley keine Module mehr. Vetro Solar war daher seither gezwungen, neue Partner zu suchen. (mz)


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