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Hochwasser Bitterfeld: Situation an der Goitzsche bleibt angespannt

Uhr | Aktualisiert 06.06.2013 12:03 Uhr
Freiwillige Helfer füllen auf der Halbinsel Pouch Sandsäcke.   (BILD: Kehrer)
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Kurz vor 20 Uhr erschüttert ein lauter Knall die Region. Die Sprengung am Seelhausener See soll den Wasserzufluss mindern und somit die Hochwasserlage entschärfen. Doch bis zum Abend kann im Raum Bitterfeld keine Entwarnung gegeben werden.
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bitterfeld/MZ

Die Lage in Bitterfeld blieb bis zum Mittwochabend kritisch. Eine zweite Damm-Sprengung bei Löbnitz auf sächsischer Seite soll nun Entlastung für den Seelhausener See bringen. Und damit auch für die Goitzsche. In Bitterfeld bangte man weiter, dass mit massiver Wucht Wasser aus dem Seelhausener See in den Tagebausee drängt und die Stadt überfluten könnte.

Keine Entwarnung

„Derzeit kann keine Entwarnung gegeben werden“, sagte Udo Pawelczyk, Sprecher des Krisenstabes. Denn obwohl die Muldepegel sanken, lief nach den Dammbrüchen bei Löbnitz weiter Muldewasser in den Seelhausener See. Der war mit rund 84 Metern übervoll. „Er ist für diese Wassermassen nicht ausgelegt. Niemand kann sagen, ob er dem Druck standhält.“

Dieser Druck ist vor allem an der engsten Stelle der Landverbindung zum Goitzschesee massiv. „Deshalb kann ein unvorhergesehener und unkontrollierter Wasserdurchbruch nicht ausgeschlossen werden.“ Ziel ist es deshalb, den Zufluss in den Seelhausener See zu mindern und den Abfluss aus der Goitzsche zu erhöhen.

„Einige Meter Luft“

Einen Durchbruch hat sich das Wasser bereits auf breiterer Fläche im Bereich Döberner Forst geschaffen und läuft in die Goitzsche. Dieser Abfluss in „überschaubaren Mengen“ verlaufe aber kontrolliert. Der Tagebausee selbst fasse noch zusätzlich große Wassermengen, es seien noch „einige Meter Luft“, sagte am Mittwoch der stellvertretende Landrat Bernhard Böddeker.

Weil die erste Sprengung des Muldesiels bei Löbnitz nicht die gewünschte Entlastung bewirkt hatte, wurde am Mittwoch gegen 20 Uhr an der selben Stelle erneut gesprengt. So soll der Zufluss deutlich mehr in Richtung Mulde und damit weg vom Seelhausener See gelenkt werden. „Davon versprechen wir uns sehr viel: Es soll die Kehrtwende sein“, sagte Pawelczyk. „Wie sich die Sprengung auswirkt, müssen wir nun sehen. Der Erfolg zeigt sich, wenn der Wasserstand deutlich sinkt. Das dauert seine Zeit“, so der Sprecher zum Redaktionsschluss dieser Zeitung.

Polder wurde nicht geflutet

Um den Knackpunkt Seelhausener See in den Griff zu bekommen, greife neben Sprengungen auch der Durchstich zum Leine-Lober-Kanal. Dabei sei am Dienstag auf 50 Metern Breite Erde abgetragen worden. Durch die Maßnahmen fließt das Wasser über die Auen und den Kanal in die Mulde zurück. Die Goitzsche werde über zwei Abflussbauwerke entwässert. Als Reserve diene der Polder in Rösa, der entgegen der Ankündigung nicht geflutet wurde.

Auf der sächsischen Seite ordnete das Landratsamt Nordsachsen Mittwochvormittag die Zwangsevakuierung von Löbnitz und Sausedlitz an. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Für Bitterfeld bleibt weiterhin die freiwillige Evakuierung angeordnet. Schon am Montag sollten Tausende Menschen ihre Häuser verlassen. Zwischen Goitzsche und der Innenstadt haben Helfer weiter an einem Wall aus Sandsäcken gebaut. 200 Bundeswehrsoldaten waren vor Ort, zusätzlich sind in der Region 171 Soldaten vom Logistikbataillon im Einsatz. Die Helfer waren am Dienstag wegen der Gefahrenlage abgezogen worden. „Sollte es zum Super-Gau zwischen Seelhausener See und der Goitzsche kommen, hätten wir eine Stunde Zeit, sie zurückzuziehen“, sagte Pawelczyk.

Die Lage in Jeßnitz-West und Altjeßnitz sei seit Tagen unverändert. „Es sind unvermeidbare Schäden an den alten Deichen entstanden. Wir hatten als Landkreis immer wieder angemahnt, dass hier etwas geschehen muss“, sagte Vize-Landrat Böddeker.

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