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Mitteldeutsche Zeitung | Expedition auf dem Bernsteinsee: Schatzjäger sind mit Staubsaugern unterwegs
29. January 2016
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Expedition auf dem Bernsteinsee: Schatzjäger sind mit Staubsaugern unterwegs

Die Förderanlagen stehen auf einer schwimmenden Plattform.

Die Förderanlagen stehen auf einer schwimmenden Plattform.

Foto:

André Kehrer

Kurz nach Sonnenaufgang legt Andreas Wendel mit einem kleinen Kutter von der Marina am Bernsteinsee ab. Im Auftrag der Goitzsche Tourismusgesellschaft (GTG) soll der Sicherheitsverantwortliche die Bergung des Goitzsche-Goldes auf der schwimmenden 250 Quadratmeter großen Arbeitsplattform inmitten des Sees überwachen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Eurasia Amber GmbH in Abstimmung mit der GTG einen Feldversuch gestartet. Seit Anfang der Woche wird nun ein weiterer Anlauf unternommen.

Während es damals darum ging, ob die Bernsteinförderung überhaupt möglich ist, werden nun neue technische Möglichkeiten erprobt. „Dafür brauchen wir keine Taucher mehr“, sagt Wendel und erklärt: „Die Bernsteine befinden sich im Schluff, also dem Feinboden, in einer Tiefe von durchschnittlich 25 Metern.“ Um daran zu kommen, wird ein riesiger Schlauch mit einem Saugkopf - vergleichbar mit einem Staubsauger - eingesetzt. „Wir haben jetzt den Durchmesser verdoppelt und die Leistung der Kompressoren deutlich erhöht“, beschreibt Wendel die Unterschiede zur letzten Expedition. So sei es möglich, größere Mengen des begehrten fossilen Baumharzes ans Tageslicht zu bringen, sagt er und hebt einen 18 Kilogramm schweren Sack, gefüllt mit Schlauben-, Butterscotch- und Brack-Bernsteinen, in die Höhe.

Wie die Suche nach Bernstein funktioniert, lesen Sie auf Seite 2.

Eine Attraktion für die Wintermonate?

Damit die wertvollen Rohstoffe gefunden werden können, haben die Schatzjäger auch auf altes Fotomaterial zurückgegriffen, das während des Braunkohlebergbaus entstanden ist. „So konnten wir das Suchgebiet eingrenzen.“ Um nun an die Stellen zu kommen, wo die Goitzsche-Goldadern vermutet werden, greift man zur Positionsbestimmung auf ein Navigationssatellitensystem zurück. „Drei Anker sorgen dann dafür, dass wir trotz des Windes und der Wellen den Seeboden systematisch abarbeiten können.“ Um auch unter Wasser „sehen“ zu können, kommt ein Echolot zum Einsatz. „Mit der elektroakustischen Messung bringt man Tiefe und Bodenbeschaffenheit in Erfahrung. Die Daten werden auf einen Bildschirm übertragen, so kann man den Saugkopf entsprechend ausrichten.“

Dafür ist dann Ronald Koster von der „Bagger Company Nederland“ verantwortlich. Über mehrere elektrische Seilwinden bewegt er den Schlauch von links nach rechts und von oben nach unten. „Man braucht dafür etwas Fingerspitzengefühl“, sagt er mit holländischem Akzent und zeigt dann auf die Schluffmassen, die hinter ihm auf das Resonanzsieb geschossen werden. „Um die zu bewältigen, haben wir die Maschine verlängert und zwei Siebebenen eingebaut“, sagt Wendel. Nachdem der Boden durchgerüttelt und mit Wasser abgespritzt wurde, sind die Bernsteine auch schon zu erkennen. Sie gelangen in eine Wanne und müssen nur noch mit einem Kescher herausgeholt werden.

Dennoch bleibt vorerst offen, wie es nun weitergehen wird. „Uns ist es erstmal wichtig, dass alle Auflagen eingehalten werden“, sagt GTG-Geschäftsführer Ingo Jung. „Wenn der Versuch Mitte März abgeschlossen ist, werden wir schauen, ob man bis zu 300 Kilogramm Bernstein ökologisch-nachhaltig fördern kann.“ Sei dies der Fall, dann wolle man weiter an einer kleinen Manufaktur zur Verarbeitung der Steine festhalten. „Damit hätten wir eine touristische Attraktion für die Wintermonate“, formuliert Jung sein Ziel. (mz)

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