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Bilanz nach Tourismussaison: Dämpfer an der Goitzsche

Die Goitzsche soll die Perle Mitteldeutschlands werden. Auf dem Weg dorthin musste man die Ziele nach unten korrigieren.

Die Goitzsche soll die Perle Mitteldeutschlands werden. Auf dem Weg dorthin musste man die Ziele nach unten korrigieren.

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ANdré Kehrer

Bitterfeld -

Mit dem Ende der Tourismussaison ebbt auch der Trubel an der Goitzsche ab. Zeit also, Bilanz zu ziehen.

Dabei zeichnet sich bereits jetzt ab: Die hohen Erwartungen, die man noch vor einigen Monaten hatte, wurden gedämpft und müssen nun gesenkt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Gesamtzahl der Gäste. „Ich schätze, dass bis zu 450 000 Besucher einen Abstecher an den See gemacht haben“, sagt der Geschäftsführer der Goitzsche Tourismus GmbH, Ingo Jung. „Das ist nicht schlecht, aber es gibt noch viel Luft nach oben.“

Ziele nach unten korrigiert

Denn mit der Ankündigung, die Goitzsche zur „Perle Mitteldeutschlands“ zu entwickeln, hatte Jung Anfang des Jahres auch seine Ziele für die touristische Weiterentwicklung genannt. „Bis 2020 wollen wir jährlich 1,5 Millionen Besucher an den See locken“, sagte er damals. Nun, eine Saison später, meint er: „Realistischer ist es, sich in den nächsten Jahren erst einmal der Millionen-Marke zu nähern.“

Dass die Auslastung noch nicht so war, wie man sich das vorgestellt hat, muss auch Klaus Hamerla einräumen. Der Geschäftsführer des Zweckverbandes Goitzsche hatte im Frühjahr den erweiterten Parkplatz am Pegelturm feierlich eröffnet. Für 450 000 Euro wurde die Kapazität von 80 auf 250 Stellplätze erhöht. Bis zu 200 000 Autos sollten hier während der gesamten Saison parken. „Bislang haben wir aber nur knapp die Hälfte dessen erreicht.“

Gründe für durchwachsene Saison

Als Grund für die mittelmäßige Resonanz haben Jung und Hamerla mehrere Antworten parat. „Nach der Flut im vergangenen Jahr und den sich anschließenden Arbeiten war für viele unklar, wann die Straße zwischen Pouch und Löbnitz sowie die Rundwege wieder frei sind“, so Jung. Das habe Besucher von außerhalb verunsichert. „Dadurch hatten wir vor allem bei den Radtouristen einige Rückgänge zu verzeichnen.“

Zweckverbands-Geschäftsführer Hamerla vermutet zudem, dass auch das neue Parkplatzkonzept den einen oder anderen Besucher abgeschreckt haben könnte. Denn neben den Stellflächen am Pegelturm - die bereits vorher kostenpflichtig waren - müsse man nun auch auf dem Spargelfeld am Bitterfelder Stadthafen, dem Mühlenboulevard und der Halbinsel Pouch bezahlen. „Einige Autofahrer, die die neuen Schranken sehen, machen sicherlich auf der Stelle wieder kehrt oder fahren einfach weiter.“ Man müsse stärker kommunizieren, dass die einheitlich erhobenen Gebühren direkt in die Pflege der Fläche und die Instandsetzungsarbeiten fließen.

„Gewisse Stagnation am See“

Aber nicht nur die Straßen- und Wegearbeiten, die Parkplatzgebühren oder auch das durchwachsene Sommerwetter haben die Saison beeinflusst, sondern generell sei eine „gewisse Stagnation am See“ festzustellen. Diese Meinung vertritt zumindest Olaf Köppe vom Goitzsche Camp in Bitterfeld. Zwar könne er sich nicht über die bislang 10 000 Übernachtungen - bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 3,5 Tagen auf dem Campingplatz beklagen. Aber es gebe im wörtlichen und übertragenen Sinne häufig die immer gleiche „Speisekarte“ am und auf dem Wasser.

Die hätten wiederkehrende Touristen - ob sie einen Tag verweilen oder mehrere Tage zelten - irgendwann mal satt. „Was die Angebote auf den Tellern beziehungsweise rund um die Goitzsche anbelangt, müssen also die Gastronomen und Gewerbetreibenden den nächsten Schritt machen.“ Denn nur Abwechslung steigere die Attraktivität dauerhaft und bewege die von außerhalb anreisenden Gäste, immer wieder in die Region zu kommen.

Gesamtentwicklung im Blick

Das weiß auch Ingo Jung. „Wir müssen das Produkt als Ganzes weiterentwickeln, damit aus Ein- bald Mehrtagesgäste werden. Zwar haben wir mit dem Bereich zwischen der Villa am Bernsteinsee und dem Pegelturm jetzt schon eine sehr gut besuchte Flaniermeile mit abwechslungsreichen Angeboten“, so der Geschäftsführer der Goitzsche Tourismus GmbH. „Wenn wir aber mehr Touristen für eine längere Zeit hier binden wollen, brauchen wir zunächst mehr Übernachtungsmöglichkeiten.“

Der Markt sei da. „Wir können ihn allerdings noch nicht bedienen“, sagt Jung und verweist unter anderem auf den Entwicklungsschwerpunkt Stadthafen. Neben einer Marina sei hier nach wie vor ein Hotel geplant, um in diesem Bereich die „Frequenz“ deutlich zu erhöhen. (mz)


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