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Bitterfeld: Pfarrer und Krisenteam nach Todesschüssen im Einsatz

Uhr | Aktualisiert 28.09.2012 20:35 Uhr
Vor dem Tattoo-Studio wurde der 38-Jährige erschossen. Das Landeskriminalamt sicherte Spuren. (FOTO: MAUL/KEHRER) 
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Nach der dramatischen Nacht, in der ein Polizist einen Tatverdächtigen erschossen hat, sind Pfarrer und Krisenteam im Einsatz. Der verletzte Beamte empfängt Bitterfelder Besuch.
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bitterfeld/MZ. 

Die Schüsse im Morgengrauen beschäftigen die ganze Region. Fußgänger bleiben vor dem Tattoo-Studio in der Bitterfelder Bismarckstraße stehen, an dem Blumensträuße und Kerzen aufgestellt wurden. Hier endete die dramatische Nacht, die die Bitterfelder lange nicht vergessen werden: Ein Polizist hatte Donnerstagmorgen einen 38-Jährigen erschossen, als dieser einen anderen Beamten attackierte. Der Mann wurde gesucht, weil er zuvor seine Ex-Freundin lebensgefährlich verletzt haben soll.

Einen neuen Sachstand konnte Christian Preissner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, am Freitag nicht geben. "Solche Dinge brauchen ihre Zeit. Wir sind nicht CSI." So könne weder zur Anzahl der Schüsse noch zur Tatwaffe des 38-jährigen Tätowierers und zu den konkreten Verletzungen des Polizisten Auskunft gegeben werden. Auch das Obduktionsergebnis liegt noch nicht vor. "Es müssen nun Spuren und Hinweise erfasst und ausgewertet werden, damit ein fachmännisches Urteil möglich ist. Damit sind jede Menge Leute beschäftigt."

Die Ereignisse haben auch bei den Kollegen im Revierkommissariat Bitterfeld-Wolfen Spuren hinterlassen. "Wir sind derzeit mit allen im Gespräch. So etwas ist für alle nicht einfach, deshalb werden die Kollegen betreut", sagt der neue Leiter Peter Ziehm. Der Polizeipfarrer ist seit Donnerstagmorgen im Einsatz, ebenso ein Kriseninterventionsteam. "Wir erspüren gerade, wer intensiver betreut werden möchte und wer etwas weniger Betreuung braucht. Alle sollen das Gefühl bekommen, dass es jederzeit Hilfe gibt, auch psychologische oder andere medizische Unterstützung."

Den schwer verletzten Polizisten besuchte Ziehm am Freitag Nachmittag unter anderem zusammen mit Innenminister Holger Stahlknecht (CDU). Auch der Präsident der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost, Werner Rentsch, war am Vormittag mit Vertretern der Behörde in der halleschen Klinik Bergmannstrost.

Die Kollegen, die in der dramatischen Nacht Schicht hatten, seien vorübergehend vom Dienst befreit: "Wir haben die Dienstpläne geändert und stehen in Kontakt", so Ziehm. Man müsse nach den Ereignissen behutsam sein: "Wir wollen Hilfe geben, das darf aber nicht zu viel und nicht zu wenig sein. Man sollte die Leute nicht bedrängen. Man muss sich vorstellen: Der Polizist versucht meist, Dinge von sich abprallen zu lassen. Man macht einfach seine Arbeit. Das wirkt nach außen mitunter unsensibel. Aber dieses Verhalten gehört zu einem Schutzmechanismus, den man sich angeeignet hat."

Einen Menschen zu erschießen, sei eine der schlimmsten Erlebnisse für Polizisten, so Ziehm. In Bitterfeld sei so etwas seit fast zwei Jahrzehnten nicht passiert. Damals, Anfang der 90er Jahre, wurde in der Burgstraße ein Einbrecher gestellt, ein Polizist erschoss ihn in Notwehr. "Sicherlich werden wir auch für sowas trainiert. Dass jemand in so eine Situation kommt, möge aber jedem erspart bleiben. Es ist so viel, was da in einem abläuft: das Adrenalin, was in einem hochschießt, die Ereignisse überschlagen sich. Es setzt dann ein Automatismus ein, man kann sich mitunter nicht mehr an Details erinnern." Erschwerend kämen nun für den Kollegen, der geschossen hatte, strafrechtliche Ermittlungen hinzu: "Das ist zwar ein normaler Vorgang, aber es belastet natürlich." Den Polizisten werde nun die Zeit gegeben, die nötig ist, um zur Ruhe zu kommen. "Wir werden den verletzten Kollegen auch von den Medien abschotten. Das könnte sonst zusätzlich belasten."

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