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Bitterfeld: Bitterfelder Braugeheimnisse

Uhr | Aktualisiert 21.12.2012 19:42 Uhr
Jacqueline Christ nimmt einem Probe des frischen Doppelcaramels. (FOTO: KEHRER) 
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Nach mehr als 50 Jahren wird es ab Januar wieder das Doppelcaramel-Malzbier im Handel geben.
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Bitterfeld/MZ. 

Harald Eisenmann besitzt ein gut gehütetes Geheimnis. In einer Kiste, deren Versteck nur er kennt, bewahrt der Geschäftsführer der Bitterfelder Brauerei alte Rezepte auf. Allerdings taugen die wenig, um einen Festbraten zu zubereiten, sondern sie stammen allesamt von dem verstorbenen Braumeister Karl-Heinz Dembek. Von 1950 bis 1990 hat er das Bitterfelder Bier mitgebraut und alle Brauexperimente, -zutaten und -rezepte in Sütterlin - also in altdeutscher Handschrift - niedergeschrieben.

"Es hat einige Anläufe gebraucht, alles zu entziffern", gesteht Eisenmann ein. "Doch am Ende hat es sich gelohnt, denn wir haben die Formel für das Bitterfelder Doppelcaramel-Malzbier geknackt."

Im Januar werde man es - als mittlerweile elfte Sorte - anbieten. Damit die süßliche Malzbierspezialität aber genauso schmeckt wie sie schmecken soll, muss Jacqueline Christ alle Register ziehen. Denn die 31-Jährige ist die jüngste Braumeisterin Sachsen-Anhalts. Um genau zu sein: Diplom-Braumeisterin. Neben der überlieferten Originalrezeptur aus den 50er Jahren sowie einem ausgeprägten Geschmacks- und Geruchssinn braucht sie natürlich die richtigen Zutaten. Dabei handelt es sich um Caramel- und Münchner-Malz. Denn: Ohne Malz gibt es kein Bier.

"Dieses wird zerkleinert und mit Wasser angesetzt, also gemaischt." Später trennt man die unlöslichen Bestandteile der Maische von den löslichen ab. Zurück bleibt die Würze, die man unter Beigabe von Hopfen so lange kocht, bis unerwünschte Aromastoffe entfernt sind. "Der Anteil der gelösten Substanzen in der Würze wird auch Stammwürzegehalt genannt. Von ihm hängen der Alkoholgehalt und der Geschmack des fertigen Bieres ab."

Während die meisten alkoholhaltigen Biersorten erst durch Hefegärung entstehen, nimmt Malzbier eine Sonderstellung ein. Laut Gesetzgeber handelt es sich um ein schwach gehopftes und nur schwach vergorenes Vollbier mit bis zu 1,5 Prozent Alkohol. So hält man es auch in der Bitterfelder Brauerei. Einziger Unterschied zu früher: Das Malzbier ist ohne Zuckerzusatz. Etwa 10 Hektoliter - also 1 000 Liter Malzbier - werden pro Sud gebraut. Es soll in 0,33-Liter-Flaschen abgefüllt und nach historischem Vorbild etikettiert werden. "Mehr als 50 Jahre war das Kultgetränk aus den heimischen Regalen verschwunden. Jetzt ist es an der Zeit, dass es wieder hergestellt wird", meint Eisenmann.

Doch nicht nur die Menschen im Altlandkreis sollen im nächsten Jahr in den Genuss der Bitterfelder Braukunst kommen. Mit dem geplanten Online-Shop wolle man den Vertrieb nun auf das gesamte Bundesgebiet ausweiten. "Es gibt ja auch viele, die aus der Region weggezogen sind. Die können sich nun ein Stück Heimat zusenden lassen."

Und wer weiß, welche Bitterfelder Biergeheimnisse sich noch in der gut gehüteten Kiste des Altbraumeisters befinden und bald wieder gebraut und mit Gruß aus der Region in alle Welt versandt werden.

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