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Überfall auf Bernburger Imbissbesitzer: Staatsschutz ermittelt nach Prügelattacke

Bahnhof in Bernburg

Der Ort des Überfalls: Bahnhof in Bernburg

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Pülicher

Bernburg/Magdeburg/MZ. -

Nach der Prügelattacke auf den 34-jährigen Geschäftsführer des Bernburger Bahnhofsrestaurants „Alibaba“ am Samstagabend sitzen drei Tatverdächtige in der Justizvollzugsanstalt Dessau-Roßlau in Untersuchungshaft. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Magdeburg hat ein Richter am Bernburger Amtsgericht inzwischen Haftbefehl wegen Verdachts des versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gegen das Trio erlassen. Die Männer im Alter von 24, 28 und 29 Jahren stammen allesamt aus Schönebeck. Zwei von ihnen sind als „rechtsextrem motiviert“ polizeibekannt, teilte am Montag die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord mit. Wegen eines zu vermutenden fremdenfeindlichen Hintergrunds ermittelt deshalb auch der Staatsschutz.

Die Beschuldigten hatten nach ihrer vorläufigen Festnahme in den Vernehmungen die Vorwürfe „nicht eingeräumt“. Die Polizei ermittelt auch weiterhin gegen ihre sechs Begleiter, ob sie am Übergriff an dem türkischstämmigen Gastronomen beteiligt gewesen sind.

Opfer liegt im künstlichen Koma

Der Mann, der seit 13 Jahren in Bernburg lebt, liegt derzeit mit lebensgefährlichen Verletzungen auf der Intensivstation der Uniklinik Halle. Nach Angaben seines älteren Bruders erlitt der 34-Jährige bei der Auseinandersetzung einen Schädelbruch und wurde nach einer Notoperation ins künstliche Koma versetzt. Laut Auskunft der behandelnden Ärzte wird er wohl bleibende Hirnschäden behalten, so sein Bruder, der in Bernburg ebenfalls ein türkisches Schnellrestaurant betreibt.

Widersprüchlich sind die Angaben darüber, ob die neun alkoholisierten Männer am Samstag gegen 21.30 Uhr gerade aus dem Zug gestiegen waren, wie es die Polizei mitteilte, oder ob sie aus der Stadt zum Bahnhof gegangen waren, wie es die Freundin des Opfers als Augenzeugin des Übergriffs berichtete. Diese hatte gegenüber der MZ gesagt, dass sie und ihr Freund, das Lokal gerade abschließen wollten, als sie von der Gruppe - dem Aussehen nach zu urteilen Neonazis - grundlos beschimpft worden seien, auch mit fremdenfeindlichen Sprüchen. Dann hätten die Männer ihren Freund auch körperlich angegriffen.

Bestürzung bei Bernburger Bündnis

Der Fall hat im Internet für Bestürzung gesorgt. Auch das „Bernburger Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Rechtsradikalismus und Gewalt“ beklagt diese Eskalation von Gewalt mit rechtsgerichtetem Hintergrund in der Stadt. „Wir sind empört über das menschenverachtende Verhalten von neun jungen Männern, die die Gesundheit eines Menschen achtlos aufs Spiel gesetzt haben und auf diese Weise dem öffentlichen Ansehen der Stadt Bernburg geschadet haben“, sagte Sprecher Roland Wiermann, Direktor des Museums. Das vor über sechs Jahren gegründete Bernburger Bündnis, ein überparteilicher Zusammenschluss von Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft, bekunde auf diesem Wege Solidarität mit dem Opfer und dessen Familie.

Gesucht werden von der Polizei weitere Zeugen, die Hinweise zum Sachverhalt geben können. Diese werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0391/546-1091 zu melden.


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