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Mitteldeutsche Zeitung | Schlägerei am Bernburger Bahnhof: Türkischstämmiger Imbissbetreiber schwer verletzt
22. September 2013
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Schlägerei am Bernburger Bahnhof: Türkischstämmiger Imbissbetreiber schwer verletzt

Imbiss im Bernburger Bahnhof

Der 34-jährige türkischstämmige Betreiber dieses Imbisses im Bernburger Bahnhof ist bei einem Angriff schwer verletzt worden.

Foto:

Engelbert Pülicher

Bernburg/Magdeburg/MZ -

Ein seit 13 Jahren in Bernburg lebender Türke ist am Samstagabend auf dem Bernburger Bahnhof bei einer Auseinandersetzung mit neun Männern schwer verletzt worden. Der 34-jährige Betreiber des dortigen Schnellrestaurants „Alibaba“ liegt derzeit auf der Intensivstation der Uniklinik Halle im künstlichen Koma. Der Gastronom war gegen 21.30 Uhr von neun alkoholisierten Männern zunächst verbal, dann körperlich attackiert worden, als er gerade mit seiner Freundin den Imbiss abschließen wollte.

Der jungen Frau gelang es noch, per Handy die Polizei zu alarmieren, die zwei Minuten später auf dem Bahnhof eintraf. Die Beamten konnten neun Tatverdächtige - alle jünger als 30 Jahre - vorläufig festnehmen. Sie wurden nach Magdeburg gebracht und im Verlaufe des Sonntages von der Polizei vernommen. Inzwischen hat auch der Staatsschutz wegen des möglicherweise fremdenfeindlich motivierten Übergriffs Ermittlungen eingeleitet.

Dass die neunköpfige Gruppe der rechten Szene zuzuordnen ist, sei nicht nur an ihrem Äußeren - Glatzköpfe und Bomberjacken - erkennbar gewesen, sagte die Freundin des Opfers am Sonntag der MZ. Sie hätten auch ausländerfeindliche Parolen gerufen. Die alkoholisierten Angreifer seien aus der Stadt gekommen und hätten einen Bierkasten bei sich getragen, ehe sie angefangen hätten, sie grundlos zu beschimpfen.

Der ältere Bruder des Opfers, der in Bernburg ebenfalls ein Schnellrestaurant betreibt, brachte am Sonntag keine guten Nachrichten aus dem Krankenhaus. Sein Bruder habe bei der Attacke einen Schädelbruch erlitten und sei gegen 2 Uhr notoperiert worden. Um sein Gehirn zu schonen, sei er ins künstliche Koma versetzt worden. „Nach Auskunft der Ärzte wird er bleibende Hirnschäden behalten“, sagte er am Sonntag gegenüber der MZ. Ihre in der Türkei lebenden Eltern - beide über 70 Jahre alt - habe er bislang die Schreckensnachricht noch nicht überbracht. Und das wolle er auch erst, wenn sein jüngerer Bruder wieder ansprechbar ist. Für ihn stehe fest, dass der Bernburger Bahnhof ein gefährliches Pflaster ist. „Dort ist eine Kameraüberwachung oder ein Wachschutz notwendig.“

Der Imbiss dort bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Wann und ob er wieder öffnen wird, ist angesichts des kritischen Gesundheitszustandes seines 34-jährigen Betreibers offen. Er hatte das Schnellrestaurant erst im vergangenen Monat von einem seiner Brüder übernommen.


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