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Ausstellung in Bernburg : Museum erzählt 100 Jahre Schifffahrtsgeschichte

Ernst-Wilhelm Wehlmann aus Alsleben (von l.), Theodor Grötschel aus Breitenhagen und Peter Kluge aus Hamburg.

Schiffer unter sich in einer Ausstellung über die Schifffahrtsgeschichte auf der Saale: Ernst-Wilhelm Wehlmann aus Alsleben (von l.), Theodor Grötschel aus Breitenhagen und Peter Kluge aus Hamburg.

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Ute Nicklisch

Bernburg/MZ -

Mehr als 100 Jahre alt ist das Modell eines Holzkahns. Es stand in der ehemaligen Gaststätte „Zum Schiffchen“ in Alsleben und ist jetzt eines von vielen Exponaten, die die Saaleschifffahrt vergangener Tage erlebbar machen. An den Wänden hängen alte Bilder, die meisten aufgenommen entlang des Flusses, andere gemalt in Öl. In der eine Vitrine liegen Bücher und Schriftstücke; darunter ein Schifffahrtskalender von 1940, ein noch fast 40 Jahre älterer Schifffahrtstraßen-Führer und ein Berechtigungsschein. In der anderen steht eine sogenannte Windhutze neben einer Petroleumlampe - und davor die große Schifferfamilie. Jeder kennt jeden. Man kommt ins Plaudern. Am Freitag haben die Schiffer das Ruder im Museum Schloss Bernburg übernommen. Viele sind Leihgeber und haben die Ausstellung mit ihren privaten Schätzen bereichert. „Ich kann das im Einzelnen gar nicht alles aufzählen“, sagt Museumsdirektor Roland Wiermann, dankbar ob jedes einzelnen Exponats. Noch bis zum 30. April dreht sich in den Galerieräumen alles um das einstig emsige Treiben auf dem Fluss.

Schon als Baby an Bord

„Heute wissen viele gar nicht mehr, was auf der Saale los war. Allein in Alsleben gab es über 600 Schiffer und nach neusten Erkenntnissen waren dort in den letzten 150 Jahren 300 Schiffe beheimatet“, weiß Ernst-Wilhelm Wehlmann, der Vorsitzende der Vereinigten Schiffervereine von Alsleben und Umgebung, zu berichten. Er ist einer von denen, die sich der Schifffahrt verschrieben haben. Familiär bedingt. Im Mai 1939 geboren, ging Wehlmann schon im August - als Baby - erstmals an Bord. Und da blieb er. Als Schiffsführer und Lotse war er später in ganz Europa unterwegs, schipperte von der Maas bis zur Oder, von der Stör bis zur Donau und transportierte „alles, was man sich so vorstellen kann“: Kaffee, Kohlen, Kies, Generatoren, Äpfel... Und auch heute lichtet er noch den Anker, „wenn’s sein muss“. Die Schifffahrt sei seine Leidenschaft. „Wer einmal Bäcker ist, der bleibt Bäcker.“ Schiffern geht es da nicht anders. Und kommen sie dann noch aus Alsleben... „Jeder, der bei uns aus der Schule raus ist, ist erstmal aufs Schiff gegangen, hat sich erstmal den Wind um die Nase wehen lassen und die Welt kennengelernt“, sagt Wehlmann.

Seemannsgeschichten aus Alsleben

Zusammen mit Peter Kluge, einem Hamburger mit Wurzeln in Mukrena, will er den hiesigen Schifferfamilien ein Denkmal setzen. Beide arbeiten an einem Buch, dessen für 2013 geplante Veröffentlichung allerdings noch etwas auf sich warten lassen wird. Gut 100 Seiten haben er und der Alslebener Schiffer schon zusammengetragen. „Wer heute nach Alsleben kommt, erfährt kaum noch etwas von der Schiffervergangenheit, es sei denn er kennt Herrn Wehlmann“, so Kluge.


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