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Amtsgericht Bernburg: Rasanter Fluchtversuch im Maßregelvollzug

B_Maßregelvollzug Bernburg

Bernburg -

Wie in einem Krimi, nur ohne Mordopfer. Ansonsten wären die drei Angeklagten vor dem Bernburger Amtsgericht gestern durchaus eine Konkurrenz für die Autoren der TV-Reihe „Tatort“ gewesen.

Es ist der 1. Juni 2014. Die Beschuldigten befinden sich schon in Haft, im Maßregelvollzug der Forensischen Psychiatrie Bernburg. Und genau an diesem Zustand wollen sie etwas ändern.

Allerdings nicht auf legalem Wege, sie wählen die schnelle Methode: Sie flüchten und das fast erfolgreich. Am Abend des Geschehens lockt ein Insasse seinen Pfleger unter einem Vorwand zum Putzraum. Der 27-Jährige wurde in seinem jungen Leben bereits wegen Trunkenheit am Steuer und Raub straffällig. An diesem Abend bricht er erneut das Gesetz.

Eigentlich müsste der Alarm losgehen

In der Zwischenzeit sind seine zwei Komplizen zum Putzraum gekommen. Einer der beiden, ein 39-Jähriger, der bereits wegen Diebstahls und fahrlässiger Brandstiftung verurteilt worden ist, entwendet die Dienstschlüssel aus der Jackentasche des Pflegers.

Der andere, ein 32-jähriger Alkoholkranker und verurteilter Räuber, greift nach dem Notfallgerät. Eigentlich müsste in diesem Moment der Alarm losgehen. Denn das mit einem Clip befestigte Gerät wird abgerissen. Doch nichts passiert. Der Pfleger landet anschließend im Putzraum - eingesperrt. Nach einigen Minuten öffnet einer der Täter nochmal das Zimmer. Denn in dem Raum befindet sich ein Spaten, der zur zusätzlichen Verriegelung dient. Bis hierhin verläuft alles nach Plan. An einer Tür kommen die drei Flüchtigen jedoch trotz Schlüssel nicht weiter. Sie realisieren in diesem Moment, dass sie aufgeschmissen sind und - befreien den Pfleger.

Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas im Salus-Landeskrankenhaus Bernburg passierte. Allein zwischen 2006 und 2009 konnten 25 Insassen dem Maßregelvollzug entkommen. Auch in der Folgezeit stand der Klinik-Betreiber wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen wiederholt in der Kritik.

Staatsanwaltschaft forderte Freiheitsstrafen

Gestern gaben sich alle Angeklagten geständig und reumütig. Das Opfer bestätigte, keine Folgeschäden davongetragen zu haben. Auch sei keine direkte Gewalt bei der Tat angewendet worden. Die Staatsanwaltschaft forderte dennoch jeweils Freiheitsstrafen. Allerdings schloss sich Strafrichter André Stelzner dem nicht an. Er verhängte Geldstrafen zwischen 420 und 840 Euro, die jedoch deutlich höher ausfielen als im Plädoyer der Verteidigung gefordert.

Alle drei Täter kamen mit einem blauen Auge davon. Der Grund: ihre bevorstehende Resozialisierung. Denn trotz zahlreichen Vorstrafen konnten sie vor Gericht eine straffreie und berufliche Zukunft glaubhaft darstellen. Der Richter redete den Familienvätern, die in einem intakten sozialen Umfeld leben, abschließend ins Gewissen: „Es ist haarsträubend, was Sie für Vorbilder Ihrer Kinder sind, die sie nur bei Haftbesuchen oder am Telefon erleben.“ (mz)


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