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Ford: Focus Electric kommt nach Deutschland

Uhr | Aktualisiert 03.01.2013 17:02 Uhr
Ford Electric (FOTO: MZ) 
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Wenn bloß die knappe Reichweite nicht wäre! Dann hätten Elektroautos wie der Ford Focus Electric leichtes Spiel mit der Kundschaft. 160 Kilometer maximal fährt der Flüsterer, dann ruft die Steckdose. Das schreckt die meisten Kunden noch davor ab, elektrisch auf die Piste zu gehen. An das Fahren unter Strom gewöhnt man sich indes gern und schnell, da macht der elektrische Focus keine Ausnahme.
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Halle (Saale)/MZ. 

Wenn bloß die knappe Reichweite nicht wäre! Dann hätten Elektroautos wie der Ford Focus Electric leichtes Spiel mit der Kundschaft. 160 Kilometer maximal fährt der Flüsterer, dann ruft die Steckdose. Das schreckt die meisten Kunden noch davor ab, elektrisch auf die Piste zu gehen.

An das Fahren unter Strom gewöhnt man sich indes gern und schnell, da macht der elektrische Focus keine Ausnahme. Er war jetzt, gut ein dreiviertel Jahr vor dem Marktstart in Deutschland, erstmals auf heimischem Boden zu fahren. In den USA rollt der in Saarlouis gebaute Wagen schon geraume Zeit über die Highways.

Zu fahren ist der elektrische Ford ganz einfach. Bremse treten, Starttaste drücken, Gangstufe auf D legen, Gas geben - besser: Strom geben - und ab geht die Post. Und die geht mächtig ab. Denn der Elektromotor liefert vom Start weg beinahe das maximale Drehmoment (250 Nm). Da sprintet der Wagen los wie eine Straßenbahn, ganz elastisch, denn Kraft geht durch Gangwechsel nicht verloren, es gibt nur einen Gang.

Nach dem Start ist Ruhe im Auto, was zunächst verunsichert. Aber zum Glück zeigen diverse Display-Anzeigen an, dass der Wagen "ready for drive" ist, wie geschrieben steht. Beherzt antreten und lautlos flitzt der Focus davon. Wird er schneller, sind die Wind- und Abrollgeräusche der Reifen das Lauteste, was man innen hört.

Tempowechsel in allen Geschwindigkeitsbereichen absolviert der Wagen mit immer ausreichendem Durchzug, das garantiert der Elektromotor mit seinen 150 PS. Das Fahrverhalten gleicht dem "richtigen" Focus. Dass man eine sechs Zentner schwere Batterie mitschleppt, war - zumindest bei den ersten kurzen Testrunden - nicht nachteilig spürbar. Die 130 km / h können erreicht werden, 136 gibt der Hersteller als Höchsttempo an.

Wählt der Fahrer die Fahrstufe "L", gewinnt das System des E-Focus beim Bremsen und beim Fahren ohne Last noch mehr Energie zurück als im D-Modus, lädt die Batterie also auf. Farbige Anzeigen im Display markieren, welche Restreichweite noch zur Verfügung steht, wenn man so weiter fährt, wie bisher. Angezeigt wird auch der Ladezustand der Batterie.

Wie weit man tatsächlich kommt, ist stark von der Fahrweise abhängig. 160 Kilometer sind theoretisch möglich , treibt man den E-Motor zu sehr an, wird man die 100 Kilometer-Grenze geradeso überspringen. Heizung, Abblendlicht, Klimaanlage, alle elektrischen Verbraucher dezimieren den Energievorrat nachhaltig, setzt man sie unbedacht ein, aber ohne Heizung möchte man im Winter nun mal nicht fahren. Einfluss auf die Reichweite hat auch, wie schwer der Wagen beladen ist. Das im E-Focus angebotene Kofferraumvolumen jedenfalls hilft Gewicht sparen. Denn das Ladeabteil wird massiv eingeschränkt durch die Batterie, die quer durch den Raum eine unschöne hohe Stufe bildet. Drei, vier große Reisetaschen wird sie wohl aber dennoch Platz gewähren. Dieses Raumproblem schränkt die Alltagstauglichkeit noch ein und ist nicht gerade ein Kaufanreiz. Der Stromlieferant hinter den Sitzen besteht aus zwei flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batterien.

Will man die Batterie aufladen - woran man ab 100 Kilometer Fahrstrecke unbedingt denken muss - dauert das an der normalen Haushaltsteckdose bei vollständig entladener Batterie 6,5 Stunden. Da haben Kritiker noch leichtes Spiel: Zwei Stunden fahren, sechs Stunden an den Tropf - das lohnt momentan nur, wenn man sehr überschaubare, sich wiederholende Distanzen zurücklegt. Aber unter diesem Manko leiden derzeit noch die Elektroautos aller Marken, auch die, die man schon kaufen oder leasen kann wie die Stromer von Mitsubishi, Peugeot oder Smart etwa. Schneller kommt der Saft in die Batterie, wenn man eine 32-Ampere-Starkstromzufuhr anzapft, doch das geht zur Zeit nur an den wenigen öffentlichen Ladestationen, meist noch zu Testzwecken installiert.

Schadstoff- frei rollte der E-Focus auf alle Fälle über die Straßen. Wer ganz sicher gehen will, dass er auch schadstofffreien Strom tankt, muss solche Energiequellen wählen. Ford und RheinEnergie haben eine solche Anlage installiert, die 1 100 Megawatt im Jahr liefern kann. Ford rechnet da sehr gern vor, dass dies reiche, um 450 E-Focus eine Jahresleistung von 15 000 "grünen" Kilometern zu garantieren - wenn man einen entsprechenden Vertrag über diesen Öko - oder anderen - Öko-Strom hat. Ganz gleich, welchen Strom man tankt, die Schmetterlinge sind immer an Bord. Fährt nämlich der Fahrer besonders energiesparend, flattern die Papillons durchs Display und belobigen so den Wagenlenker für sein umweltbewusstes Handeln.

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