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Dacia: Der Balkan-Riese

Uhr | Aktualisiert 13.12.2012 18:46 Uhr

Gefällig im Styling hat der Lodgy durchaus Chancen, sich am Markt zu behaupten. (FOTO: WE)

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Ob sich Renault das gut überlegt hat? Der Discount-Tochter Dacia einen eigenen Van zu gönnen, ist angesichts der Beliebtheit der Rumänen-Marke in Südost- und Südwesteuropa ein fast mutiger Schritt.
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Halle (Saale)/MZ. 

Immerhin kreuzt mit dem Espace schon ein Dampfer durch die Fahrwasser des umkämpften Marktes. Und dort sind die Wellenschläge beim Absatz bisweilen ziemlich heftig. Doch der Lodgy von Dacia segelt unbekümmert drauf los: Was kostet die Welt?

Und bereits da fängt der Lodgy an, Spaß zu machen. Er kostet eben nicht die Welt. Welcher Anbieter stellt heute einen Van auf die Räder, der für weniger als 10 000 Euro zu haben ist? Um der Wahrheit allerdings die Ehre zu geben: Für diesen Preis bekommt man die Basisvariante mit dem kleinen Benziner und braucht auch gar nicht erst nach einer Optionsliste zu fragen. Kein Radio, kein Klima, kein Metalliclack. Wer mehr will, muss mehr bezahlen und landet über die Stufen Ambiance und Lauréat irgendwann beim Prestige. Da ist dann nahezu alles dran und drin - sogar Navi -, wofür allerdings mindestens 13 190 Euro fällig werden. Das aber noch immer mit dem Mager-Benziner von 83 PS (63 kW).

Richtig Freude macht die Kreuzfahrt erst mit dem stärksten Diesel. Der zaubert mit 107 PS (79 kW) zwar auch keinen Gummiabrieb auf den Asphalt, furcht aber mit 240 Nm Drehmoment munter drauf los. Das tut bei einer zulässigen Gesamtmasse von knapp zwei Tonnen auch gut. Wer den Lodgy gern gut bepackt, wird das zu schätzen wissen. Der 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel verrichtet seine Arbeit im druckfreien Langstreckenbetrieb akustisch sonor und verbrauchsgünstig. Laut wird er nur, wenn Beschleunigung gefragt ist und die Gänge vielleicht etwas länger ausgefahren werden. Allerdings spreizt das Sechs-Gang-Getriebe den Kraftfluss optimal und setzt selbst im langen sechsten Gang noch Schub für Überholvorgänge frei. Mit getesteten 6,8 Litern bei 116 Gramm CO2 pro Kilometer kann auch das ökologische Bewusstsein ganz gut leben.

Das Fahrwerk ist gut auf die zu leistende Arbeit abgestimmt. Bei Leerfahrt wirkt es zwar etwas schwammig, stemmt sich unter Last aber wohltuend dämpfend den Bodenwellen entgegen. Der Lodgy bremst vorn über Scheiben, hinten aber nur in Trommeln. Das ist zwar nicht der letzte Stand der Technik, führt aber dank ABS und ESP auch im Grenzbereich der Physik nicht zu kritischen Situationen.

Das Gestühl ist recht flach, dafür aber fest gepolstert. Die Raummaße sind üppig, nur die aufpreispflichtige dritte Sitzbank ist eher ein Notbehelf. Sie kappt ohnehin auch bei Nichtbenutzung den Kofferraum um mehr als 600 Liter. Ohne sie stehen mindestens 827 Liter bereit, die sich bei geklappter zweiter Sitzreihe auf containergleiche 2 617 Liter dehnen.

Am Ende wird die Vernunft entscheiden, ob man 16 490 Euro in diesem Modell gut angelegt sieht. Allerdings rudert man bei deutschen Herstellern für dieses Geld noch in der Kompaktklasse.