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Sekundarschule in Nachterstedt: Besserung für Laptopklassen ist in Sicht

Uhr | Aktualisiert 16.01.2014 20:50 Uhr

Clarissa besucht die sogenannte Nachterstedter Laptop-Klasse.

(BILD: frank gehrmann)
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Die Kritik am Pilotprojekt „Operation 21 - Laptopklasse“ an der Sekundarschule in Nachterstedt wird erhört: Die Geräte sollen jetzt häufiger eingesetzt werden. Die Bürgermeisterin der Stadt Seeland will das Gespräch suchen.
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Nachterstedt/MZ

Nach der deutlichen Kritik der Eltern an der Entwicklung des Projekts „Operation 21 - Laptopklasse“ der Sekundarschule in Nachterstedt hat Direktor Erik Heim reagiert. „Ich lasse mir jetzt Nachweise von den Lehrern geben, wie die Technik im Unterricht eingesetzt wird“, sagte er am Donnerstag auf MZ-Anfrage. Er sei ebenso unzufrieden wie die Eltern. Heim betonte noch einmal, er habe die Nutzung aufgrund seiner langen Krankheit im vergangenen Jahr nicht überprüfen können. Gleichzeitig zeigte er sich aber enttäuscht, dass verärgerte Eltern nicht direkt mit ihm gesprochen haben.

Die hatten Anfang der Woche deutliche Kritik an der Umsetzung des im Salzlandkreis bislang einmaligen Projekts geübt (die MZ berichtete). Es seien Dinge versprochen worden, die so nicht eingehalten wurden, erklärte Nadine Rödel aus Nachterstedt. Sie hatte bereits zur Einführung vor über anderthalben Jahren einen der 550 Euro teuren Laptops für ihre Tochter gekauft. Das Gerät werde - abgesehen von den zahlreichen technischen Hürden, die der Landkreis eingebaut habe - jedoch nur unzureichend im Unterricht eingesetzt, sagte die Mutter.

"Kein einziger hätte den Kaufvertrag unterschrieben"

Mittlerweile erreichte die Redaktion ein fünfseitiges Schreiben eines anonymen Absenders. Der gibt an, im Namen aller Eltern zu sprechen, die ebenfalls einen Laptop für ihre Kinder erworben haben. Der Tenor in dem Brief ist ähnlich: „Hätten wir das alles vorher gewusst, kein einziger hätte den Kaufvertrag unterschrieben“, heißt es. So seien die Kinder zu Versuchskaninchen geworden. Es wird unter anderem kritisiert, dass die Ranzen der Schüler mit Laptop und Schulbüchern zu schwer geworden seien. Zunehmende Rückenprobleme seien die Folge. Auf die Schulbücher sollte mit der Einführung tatsächlich auch verzichtet werden, bis der Schulleitung klar wurde, dass die benötigten Lehrbücher noch gar nicht in digitaler Form vorliegen. Laut Aussage des Landeskreises gebe es derzeit jedoch zu dem Thema erst Gespräche auf Landesebene.

Dass alle Lehrer bemüht seien, mit dem Laptop zu arbeiten, wie behauptet werde, sei ebenfalls nicht wahr, heißt es in dem Brief weiter. „Davon bekommt man Clarissanichts mit.“ Auch kritische Töne zur Zusammenarbeit der Einrichtung mit dem zuständigen Landkreis finden sich in dem Schreiben. Die sei nur auf Initiative der Eltern zustande gekommen.

Der Kreis verwehrte der Schule wegen Sicherheitsbedenken zunächst den Zugang zum Internet. Mittlerweile sind alle Geräte zwar online, im Gegenzug mussten die Eltern aber die kompletten Rechte an die Verwaltung abgeben. Begründet wurde das mit Neuland, das man in dem Fall betrete. Ergebnis ist, dass die Laptops nur unzureichend eingesetzt werden können. Selbst ein Drucker kann ohne Erlaubnis nicht an die Geräte angeschlossen werden.

Schulleiter Heim gestand am Donnerstag: „Wir waren am Anfang so naiv zu glauben, dass wir das Projekt genauso wie im Harz umsetzen können.“ Dort seien die Sicherheitsbestimmungen nicht annähernd so hoch wie im Salzlandkreis. Die Idee wurde von einer Schule in Thale übernommen. Heim kündigte allerdings an, die Probleme nun anpacken zu wollen. Geplant ist unter anderem ein gemeinsames Gespräch mit dem Elternrat der Schule sowie den zuständigen Mitarbeitern des Landkreises. Termin dafür ist Ende des Monats. Zudem soll im Unterricht nun verstärkt mit den Laptops gearbeitet werden, „auch mit Umwegen“, sagte er mit Blick etwa auf Datentransfers mit Hilfe von USB-Sticks. Allerdings solle die Technik auch nur dort eingesetzt werden, wo es Sinne mache. „Wir wollen nicht, dass die Kinder am Ende nur noch auf die Tasten tippen.“ Laut Rödel sei das - anders als womöglich gedacht - gar nicht die Erwartungshaltung der Eltern. Es gehe lediglich darum, dass Gerät eben nicht nur ein paar Mal in der Woche zu nutzen.

"Ich erwarte ein klares Bekenntnis des Kreises zum Projekt"

Tim Hase, Vorsitzender des Schulfördervereins, wurde mit seiner Kritik an den Landkreis am Donnerstag etwas deutlicher. „Ich erwarte ein klares Bekenntnis des Kreises zum Projekt.“ Er fragte unter anderem, wann die Versprechen, die vor dem Elternrat gemacht wurden, umgesetzt werden? „Soll das Projekt Früchte tragen und auch auf andere Schulen im Kreis übertragen werden, kann es jetzt nicht nur Stück für Stück gehen“, so der Fördervereinschef, der neben Schulleiter Heim maßgeblich an der Initiierung beteiligt war. Bereits Anfang der Woche hatte Hase angedeutet, dass die Arbeit mit dem Laptop durch den Landkreis erschwert worden sei.

Die Situation an der Schule war am vergangenen Dienstag unterdessen auch Thema im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Seeland. Zwar standen auf der Tagesordnung schon längere Zeit Informationen des Fördervereins. „Nun haben uns die aktuellen Ereignisse eingeholt“, sagt Bürgermeisterin Heidrun Meyer der MZ. Die Abgeordneten seien sich einig, dass etwas getan werden müsse. Nicht nur, weil von der Kommune dafür ein Zuschuss von 20 000 Euro geflossen ist, womit die Anschaffung der fast 40 Geräte überhaupt erst möglich wurde.

„Die Kritik ist angekommen. Es muss im Interesse der Schüler etwas geschehen“, so Bürgermeisterin Meyer. Die Nachterstedter sind sich sehr wohl bewusst, dass sie Vorreiter im Kreis seien. Nun setze man auf ein Mitwirken des Landkreises. Meyer betonte, dass es auch Gespräche mit Schulleiter und Lehrerschaft geben wird. Denn eines sei sicher: „Wir scheuen uns nicht, wenn wir vor dem ersten Hindernis stehen.“

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