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Veranstaltung: Kinderzirkus „Klatschmohn“ gastiert in Aschersleben

Musiker

Selbst die Musik ist selbst gemacht.

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Frank Gehrmann

aschersleben/MZ -

Es ist so etwas wie ein Wiedersehen. Am Samstagvormittag zogen Thembisa (13), Victoria (13) und Marten (11) jonglierend und Flyer verteilend durch Aschersleben, am Abend trifft man sie unter dem Chapiteau im Stephanikirchhof. Sie sind drei von 22 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen sieben und 17 Jahren, die zwei Ferien-Wochen lang durch den Süden Sachsen-Anhalts reisen.

„Klatschmohn“ steht auf ihrem Zirkuszelt. So heißt auch der hallesche Kinder- und Jugendzirkus, der jeden Sommer durch die Lande zieht. „Die selbst inszenierte Show stellt den Höhepunkt des Klatschmohn-Jahres dar“, erklärt Zirkusdirektor Jürgen Wiehl. Alle Mitwirkenden haben mindestens ein Jahr „Zirkuserfahrung“. Regisseur Steffen Lewandowski legt Wert darauf, dass „das keine Zirkus-Profis sind, sondern Kinder und Jugendliche, die sich bei uns beworben haben“. Er fügt an: „Wir trainieren und begleiten sie. Den Zirkus auf und hinter der Bühne gestalten sie selbst.“ Der „Betreuerstab“ besteht aus zwölf Leuten. „Wir kochen ja während der Tournee durch zehn Orte auch selbst und schlagen immer wieder anderswo unser Quartier auf“, beschreibt Wiehl.

Schließlich müsse auch jeden Tag neu das Zirkuszelt aufgebaut werden. Er weist auf das Haus am Rande des Stephanikirchhofes hinter sich. „Heute haben wir dank unserer Kontakte nach Aschersleben eine besonders edle Übernachtung: Wir schlafen in der großen Wohnung des Kaufhausdirektors.“ Der Zusammenhalt der Truppe ist allen wichtig. Dazu berufen sie täglich den „Zirkus-Rat“ ein, eine Runde, in der alle Sorgen und Nöte beredet werden.

Steffen Lewandowski, der die Gesamtregie hat, erzählt vom Vorbereitungswochenende. Man schaut, was jeder gelernt hat, schneidert Kostüme, besorgt Requisiten, probt die Kunststücke und Musiktitel. „Jedes Jahr haben wir neue Mitstreiter, aber immer wieder auch Wiederholungstäter. Mal will jemand nur eine Nummer mitgestalten, mal sieht man jemanden in mehreren Szenen. Dazu kommen unsere Musiker, die wie ein richtiges Zirkus-Orchester alles live begleiten. Manchmal schlüpft dann das Mädchen am Cello noch ins Artistenkostüm oder die Akkordeon-Spielerin verwandelt sich in ein wildes Tier.“

Bunt wie die Kostüme wirkt das knapp einstündige Programm, das Pantomime, Jonglagen, Akrobatik und Kugellauf vereint. All die Darbietungen ranken sich um die Geschichte von Papaver Palaver, einem traumtanzenden Traumfänger, der sich unter den Mimen sichtlich wohl- fühlt. So fliegen die Diabolo, Kira, Emma und Mathilda werden in ein Märchenkomplott hineingezogen und dem Zuschauern stockt der Atem, wenn Marten und Velvet am Vertikaltuch atemberaubende Übungen zeigen. Ein scheinbar romantisches Dinner kommt ins chaotische Rollen und ein Feuerakrobat darf bei „Klatschmohn“ ebenso wenig fehlen. So ernten die jungen Zirkuskünstler im Abendschein ihren verdienten Beifall, auch, wenn Thembisa, Victoria und Marten doch insgeheim gehofft hatten, dass ihre zirzensische Einladung im Stadtzentrum doch noch diesen oder jenen Besucher mehr auf den Stephanikirchhof gezogen hätte.


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