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Jahreshauptversammlung der Mehringer Feuerwehr: Feiger Auto-Diebstahl wirkt noch immer nach

Jugendwart Martin Bork (l.) wird von Wehrleiter Axel Trimpert für die 20-jährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr geehrt.

Jugendwart Martin Bork (l.) wird von Wehrleiter Axel Trimpert für die 20-jährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr geehrt.

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Uwe Kraus

Mehringen -

„Mir sind die Tränen gekommen. Ich bin über 50 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr und frage mich immer wieder, wer vergreift sich an einem Feuerwehrauto.“ Marlies Schulz schüttelt den Kopf. Sie hat für ein neues Feuerwehrauto gespendet und würde auch noch einmal etwas nachlegen, sagt sie.

Die Jahreshauptversammlung der Mehringer Feuerwehrmänner und -frauen am vergangenen Wochenende hätte emotionaler nicht sein können. Auch wenn der wohl schwärzeste Tag der jüngeren Feuerwehrgeschichte des Ortes nun schon ein Vierteljahr zurückliegt, begreifen können sie das alle nicht, was ihnen in der Nacht zum 7. November 2015 geschah. „Es war das erste neue Auto seit Bestehen unserer Feuerwehr. Dann wird es feige geklaut und abgefackelt“, schüttelt Wehrleiter Axel Trimpert den Kopf. „Ein Stück Herz der Feuerwehr wurde damit herausgerissen“, sagte Stadtrat Marius Fischer (SPD).

Dank an die Winninger Kameraden

Trimpert dankt ausdrücklich den Winninger Kameraden, die mit ihrer „Leihgabe ihres alten Fahrzeuges die Einsatzbereitschaft unserer Kameraden ermöglichen.“ Der Wehrleiter spricht aus, was seine Kameraden wollen: „Wir kämpfen für ein neues Fahrzeug.“ Ascherslebens Ordnungsamtsleiter Christian Grossy verdeutlicht: „Da braucht niemand gegen die Stadt zu kämpfen, wir haben ein gemeinsames Ziel.“ Dass unterdessen 2.800 Euro Spenden für das Ersatzfahrzeug eingegangen seien, zeuge davon, wie sich die Menschen mit ihrer Feuerwehr identifizieren. Über 70 Spender trugen sich mit Beträgen von zehn bis 500 Euro schon in die Listen ein.

Christian Grossy bedauert, dass die Versicherung zwar signalisiert habe, dass sie eine Entschädigungssumme überweisen werde, er aber bis zur Jahreshauptversammlung die Höhe noch nicht kenne. „Wie wir die entstehende Lücke bis zur Kaufsumme schließen, dazu gibt es gerade Gespräche. Das Fahrzeug hat für uns Priorität eins. In der Risikoanalyse steht hinter Beschaffung nicht umsonst das Wort Dringend.“ Er wünscht den Kameraden weiterhin viel Erfolg, wenig Einsätze und das ihr Heiliger sie beschütze. „Wie heißt der Schutzheilige nochmal?“. Schmunzelnd erhält er aus dem Präsidium den Hinweis „Florian“.

Unterstützung zugesichert

Auch der Vertreter des Ascherslebener Oberbürgermeisters, Michael Schneidewind, sichert den Kameraden jegliche Unterstützung zu. „Sie können sich gewiss sein, dass wir sie mit allen Kräften unterstützen. Ich bin selbst bei der Feuerwehr und weiß, hier ist nicht nur Einsatztechnik vernichtet worden, sondern etwas Identität Stiftendes.“

Die Mehringer Feuerwehrleute mussten 2015 17mal ausrücken - fünfmal mehr als im Jahr davor. Das steht auch damit in Zusammenhang, dass Schackenthal und Schackstedt über keine einsatzfähige Feuerwehren verfügen. Dass dies nicht nur Einsätze zum Zersägen umgekippter Bäume waren, belegt die Aufzählung der Einsätze, zu denen auch die Atemschutzträger gefragt waren. Kaum, dass ein Getreidefeldbrand an der Kreuzung Schackenthal gelöscht war, wurde die Wehr zu einem Lagerhallenbrand gerufen. Als dann die Technik wieder einsatzbereit gemeldet wurde, rückten die Kameraden zum Brand zweier Transporter in ein Autohaus aus. Dass sich Brände nicht an den Festterminplan der Floriansjünger halten, erlebten die Kameraden bei ihrem beliebten Weihnachtsmarkt. Mittendrin rief sie ein Scheunenbrand nach Drohndorf.

Viele Kameraden sind auf Montage

Wehrleiter Axel Trimpert verwies am Sonnabendabend in seiner 2015er Bilanz auf 268 Dienst- und 602 Ausbildungsstunden. Nur werktags von 6 Uhr bis 18 Uhr sei es nach wie vor nicht immer einfach, die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Bisher gelang das zwar, aber viele Kameraden seien auf Montage oder anderorts beruflich tätig. Für die Feuerwehr Mehringen seien gut ausgebildete Kameraden das A und O. So absolvierte eine Kameradin einen Lehrgang am Institut für Brand- und Katastrophenschutz, eine wurde Truppführerin. Zudem schloss ein Feuerwehrmann 2015 den Grundlehrgang ab sowie sechs den Lehrgang „Technische Hilfe“.

Jeannette Biedermann (Kinderwart) und Jugendwart Martin Bork waren voll des Lobes für ihre engagierten Schützlinge. Die Aktion „24 Stunden Feuerwehrmann“ habe alle erneut begeistert, aber durch die Aufgaben, die zu erledigen waren, auch wirklich gefordert. Durch die PS-Lotterie-Erlöse der Salzlandsparkasse konnte zudem die Ausstattung des Nachwuchses verbessert werden. Wie fit die Jüngsten seien, haben die Ergebnisse der Wettbewerbe und des Kreiszeltlagers in Güsten gezeigt.

Schlagkraft der Wehr

Gerade der Wippertal-Pokal, der auf der Mehringer Insel stattfand, bewies die Schlagkraft der Wehr. Nach dem dritten Sieg bleibt der Pokal nun in Mehringen und die Stadt wird einen neuen Stiften müssen. „Durch den Sieg werden wir den Wettkampf nun wohl erneut bei uns ausrichten“, sagt der Wehrleiter und freut sich dabei auch etwas, dass er einer so tollen Mannschaft vorsteht.

Da wirkt Axel Trimpert schon wieder etwas hoffnungsvoller und gibt den Vertretern der Stadt den Termin des 120-jährigen Feuerwehrjubiläums im Sommer mit auf den Weg. „Wäre doch ein guter Termin zur Übergabe des neuen Einsatzfahrzeuges. Nicht nur, weil das Fernsehen beim Drehen des Films über den dreisten Diebstahls versprochen hat, dazu wieder vor Ort zu sein.“ (mz)


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