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Filmpalast in Aschersleben: Wie ein Ehepaar das schwierige Kino-Geschäft meistert

Ausnahmsweise auf der Leinwand: Zu Werbezwecken begrüßen Heidrun und Matthias Uhde ihre Gäste auch schon mal wie Filmstars.

Ausnahmsweise auf der Leinwand: Zu Werbezwecken begrüßen Heidrun und Matthias Uhde ihre Gäste auch schon mal wie Filmstars.

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Frank Gehrmann

Aschersleben -

Zwei Welten, ein dramatischer Gegensatz. Draußen ist Markttag in Aschersleben (Salzlandkreis). Da drängeln sich die Kunden an den Verkaufsbuden. Drinnen im Filmpalast herrscht derweil gähnende Leere. Es riecht zwar nach frisch gebrühtem Kaffee und Popcorn. Aber nur ganz selten kommt jemand herein, um im Schummerlicht von Kugelleuchten einen Blick auf das aktuelle Programm zu werfen. Das sieht auf den ersten Blick nach Kino-Krise aus. Läuft geschäftlich bereits der Abspann?

Heidrun Uhde, die an der Kasse sitzt, bleibt gelassen. Die Frau des Chefs strickt in aller Ruhe blaue Kindersöckchen. Ab und zu unterbricht sie, nippt an der Kaffeetasse oder probiert selbst gebackenen Schokoladenkuchen. Ein Stapel Tickets liegt griffbereit. Die letzten ausverkauften Vorstellungen, der neue „Heidi“-Film, liegen zwar schon zehn Tage zurück. Doch Heidrun Uhde weiß, wie der Laden läuft. „Spätestens zur nächsten Filmpremiere stehen die Leute wieder bei mir nach Tickets an.“
Gäste können täglich zu drei Vorstellungen kommen. Filmfreaks nutzen das vereinzelt sogar so, dass sie von Saal zu Saal wechseln. Vier Säle gibt es, macht unter dem Strich zwölf Filme am Tag. Am Wochenende kommen noch Spätaufführungen zur Geisterstunde hinzu. Geöffnet hat der Familienbetrieb jeden Tag in der Woche.

Ab 21. Januar startet „Bibi & Tina - Mädchen gegen Jungs“. Es folgt der Actionkracher „Hatefull 8“ von Star-Regisseur Quentin Tarantino. Und für die Winterferien ist die neue Robinson-Crusoe-Story im Gespräch. Es sind alles angekündigte Hochkaräter. Auch alle Top-50-Streifen aus dem Vorjahr, besagt eine Statistik, sind in Aschersleben gut gelaufen.

Das schlägt sich in den Besucherzahlen nieder. 80.000 Zuschauer waren es im vergangenen Jahr. Die Kassiererin: „Gegenüber 2005 ist das ein Wachstum um 30 Prozent.“ Rechnerisch gesehen liegt der Filmpalast damit weit über dem Bundesdurchschnitt.

Doch von einer Kinokarte bleibt nicht viel. Die Hälfte der Einnahmen geht direkt an den Filmverleih. Dann fallen noch Steuern an, Ausgaben für die Mitarbeiter, Kredite, den Unterhalt des Kinos. Dringlichkeit entscheidet über die Reihenfolge. Eine Hälfte des Daches muss neu gedeckt werden, sonst drohen Wasserschäden.

Großes Kino wie in Aschersleben - so etwas gibt es längst nicht mehr überall in Deutschland. Momentan haben noch 890 Kommunen Kinos, 125 weniger als 2006.

Matthias Uhde als Eigentümer kennt den Trend, will ihn aber nicht akzeptieren. „Ich lebe vom und im Kino, bin dabei immer Optimist geblieben.“ Das klingt gar nicht so, als müsse der Filmpalast im Internet-Zeitalter um sein Überleben kämpfen. „Da ist niemand, der uns in Aschersleben das Feld streitig macht.“ Das Lichtspielhaus sei einer der wenigen verbliebenen Treffpunkte in der ehemaligen Kreisstadt. Es kommen nicht nur Kinder und Jugendliche. Das Kino ist auch Ziel von Familienausflügen. Und selbst Senioren finden den Weg hierher. Der Mann mit dem weißen Haarschopf glaubt, solange er als Betreiber sparsam rechnet, selbst bescheiden bleibt, kommt er über die Runden. Sein einziger Luxus neben dem Kino sind drei Autos: ein Trabant, ein Wartburg, ein Wolga.

Was die Uhdes aufgegeben haben, um das Kino zu kaufen und was sie damit noch vorhaben, lesen Sie auf Seite 2.

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