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Astronomie: Sonnige Ausblicke im Ascherslebener Planetarium

Matthias Reinäcker lädt zum Finsternis-Schauen ein.

Matthias Reinäcker lädt zum Finsternis-Schauen ein.

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archiv/frank gehrmann

aschersleben -

„Es ist ein undankbarer Schattenverlauf“, schüttelt Matthias Reinäcker den Kopf, während sein Finger auf der Landkarte eine Linie zwischen Skandinavien und Grönland nachzeichnet. Durch den Nordatlantik hinauf zum Nordpol. Meer. Meer. Und noch mehr Meer. Nur zwei Inseln liegen mitten in der Totalitätszone: die auch als Schafsinseln bekannten Färöer und das zu Norwegen gehörende Spitzbergen. Nur von dort aus ist die Sonnenfinsternis, die sich in wenigen Tagen ereignen soll, als totalitäre zu sehen.

Dreiviertel der Sonne bedeckt

Dabei ist diese Finsternis eine ganz besondere, weiß der Leiter des Ascherslebener Planetariums. „Es ist die erste totale, die nach der großen von 1999 wieder Europa berührt“, macht er diese Seltenheit deutlich. Eine Seltenheit, von der auch Aschersleben etwas hat. Denn hier wird die Sonnenfinsternis immerhin noch als eine partielle zu sehen sein. „Und das mit einem ziemlich hohen Bedeckungsgrad.“ Der liegt laut Matthias Reinäcker bei etwa 75 Prozent. Dreiviertel der Sonne also, die sich in den Vormittagsstunden des 20. März verdunkeln werden. „Und das ist schon nicht schlecht“, lacht der Astronom. „Das hat es hier seit einigen Jahren nicht gegeben.“

Ein kleines Spektakel für die Eine-Stadt also, die ihre letzte komplette Sonnenfinsternis im Jahr 1887 erleben konnte und bis 2135 wieder darauf warten muss.

Eintritt am Zoo-Eingang

Deshalb lädt das Ascherslebener Planetarium mit Unterstützung der Sternfreunde am 20. März zu einer Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis auf das Zoogelände ein. Am Dschungel-Café vielleicht. Von dort aus ist der Blick auf den Himmel einfach besser als oben am Planetarium, findet der Astronom und nickt zu den vielen Bäumen hinüber, die am Sternentheater die Sicht versperren.

Wer zur Beobachtung will, muss dann zwar den Zoo-Eintritt bezahlen, kann sich aber gleich noch die Zoo-Tiere anschauen. „Und wenn Kinder oder Schulklassen dabei sind, können sie zwischendurch auch auf den Spielplatz rüber und immer mal wieder nachschauen, was sich an der Sonne verändert hat“, nickt Reinäcker. Denn die Bedeckung der Sonne ziehe sich über zweieinhalb Stunden hin.

Um die gut im Blick zu haben, baue das Planetarium Fernrohre mit verschiedenen Beobachtungsmöglichkeiten auf. „Bei dem einen wird die Sonne auf einen Schirm projiziert, da können sich mehrere Leute gleichzeitig das Geschehen anschauen. Bei einem anderen Fernrohr mit Sonnenfilter kann direkt beobachtet werden, und dann haben wir noch ein Spezialgerät, mit dessen Hilfe die Sonne in einem bestimmten Spektralbereich des Lichtes angeschaut werden kann“, zählt Matthias Reinäcker die unterschiedlichen Arten auf und meint: „Wer noch eine Sonnenfinsternisbrille hat, kann die natürlich auch mitbringen.“

Dass die Beobachtung vom Zoogelände aus erfolgen soll, findet der Planetariumschef übrigens mehr als interessant. Da könne man nämlich gleich auch schauen, ob die Sonnenfinsternis Auswirkungen auf die Tierwelt hat. Berichte darüber habe er immer mal gelesen, nickt Reinäcker. Deshalb sollen die Tierpfleger in Aschersleben am 20. März ganz bewusst darauf achten, ob ihre Schützlinge nervös sind, ob man was merkt, sie sich anders verhalten. Auch wenn es nur eine partielle Sonnenfinsternis ist.

Sternfreunde unterwegs

„Die letzte partielle Finsternis mit so einem hohen Bedeckungsgrad, die bei uns gut zu sehen war, gab es übrigens 2003“, erzählt Reinäcker. „Zwischenzeitlich gab es noch zwei weitere, da spielte das Wetter aber nicht so mit...“ Deshalb und weil Aschersleben mit den weitaus spektakuläreren totalen Sonnenfinsternissen nicht wirklich gesegnet ist, fahren die hiesigen Sternfreunde diesen astronomischen Ereignissen gern hinterher.

Matthias Reinäcker hat seine letzte 2006 in der Türkei erlebt. Mit einem Cocktail am Pool. „Das war wirklich der Idealfall einer Sonnenfinsternis-Reise“, schmunzelt der Ascherslebener. In diesem Jahr, erzählt er weiter, sei der Mondschatten zwar näher, aber es sei viel schwieriger, in die Totalitätszone zu kommen. „Die wenigen Flüge auf die beiden Inseln sind hoffnungslos und seit langer Zeit ausgebucht. Da hat man keine Chance mehr.“ Und trotzdem sind Ascherslebener Sternfreunde mit dabei. Ihr Flug zu den Schafsinseln ist nämlich längst reserviert... (mz)


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