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Aschersleben: Kantor im Weihnachts-Stress

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 20:16 Uhr

Thomas Wiesenberg ist mit Leib und Seele Musiker. (FOTO: FRANK GEHRMANN)

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Heiligabend haben Pastoren und Kirchenmusiker noch etliche Termine vor sich. Die Vorbereitung beginnt für Thomas Wiesenberg weit vor dem Advent.
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Aschersleben/MZ. 

Wenn Kantor Thomas Wiesenberg bei einer Sache nicht mitreden kann, dann sind das gängige Fernsehsendungen. Die "Unkenntnis" vertieft sich regelmäßig in der Vorweihnachtszeit, denn dann hat die Arbeit des 53-Jährigen Hochsaison. Abend für Abend eilt der Mann dann zu Proben mit Chören, Bläsern und Musikgruppen. Denn in der Vorweihnachtszeit reiht sich Auftritt an Auftritt, und die wollen vorbereitet sein.

Wenn das Publikum im Advent das Weihnachtsoratorium oder die "Adventsmusik im Kerzenschein" genießt, dann steckt harte Arbeit in diesen Aufführungen. Nicht nur für die Sänger und Musiker, sondern auch für den, der die Fäden in der Hand hält und sich im Hintergrund darum kümmert, dass alles reibungslos klappt. Als Kantor sorgt Wiesenberg seit 30 Jahren dafür, dass es in den Kirchen in Aschersleben singt und klingt.

Auch am Montag steht das eigene Weihnachtsfest für den Kantor hintenan. Wenn sich in anderen Familien langsam festliche Stimmung ausbreitet, man sich an der Kaffeetafel niederlässt oder auf den Weg zum Festgottesdienst macht, dann beginnt für den Kantor ein Arbeitstag, der es in sich hat. Um 14.30 Uhr sitzt er an der Orgel in der Johanniskirche. Was wäre auch ein Festgottesdienst ohne musikalischen Rahmen?! Kaum sind die letzten Töne verklungen, eilt er in die Stephanikirche. Dort steht die Aufführung des Krippenspiels an, für das er mit den Kindern und Jugendlichen schon seit Wochen probt. "Wenn ich ankomme, geht es auch schon los", sagt Wiesenberg, deshalb brauche er unbedingt seine Helfer. Die sich darum kümmern, dass die Kinder in die Kostüme kommen und all die vielen Fragen klären, die immer zur Unzeit entstehen. "Ohne die Eltern, die hinter den Kindern stehen, würde es gar nicht gehen", sagt Wiesenberg. Um 17.30 Uhr schon der nächste Termin. Dann geht es noch einmal in die Johanniskirche, wo ein Teil der Kantorei im Gottesdienst singt.

Erst gegen 19 Uhr kehrt auch bei Thomas Wiesenberg Ruhe ein, dann kann er selbst den Heiligen Abend feiern - im engsten Kreis, bei schönem Essen, mit Geschenken und bei Kerzenschein. Und Musik? Wiesenberg lächelt. Normalerweise müsste er so viel davon genossen haben in den vergangenen Monaten, dass Stille wohler tut als Klänge. "Nein, nein", wehrt der studierte Kirchenmusiker ab, von der Musik muss und kann es keine Pause geben. Wenn es sich ergibt und alle Lust haben, pflegen die Wiesenbergs auch am Weihnachtsabend noch ein wenig die Hausmusik als entspannende Insel nach all dem Trubel.

Mit dem Thema Weihnachten beschäftigt sich Wiesenberg gedanklich schon, wenn die Leute bei 30 Grad am Badesee liegen. Denn neben der Kantorei betreut er die Turmbläser, arbeitet in der Gruppe "Quintessenz" mit und kümmert sich gemeinsam mit Musiklehrerin Claudia Lampert um den Kinderchor der Christlichen Grundschule. Seit kurzem ist auch der Chor der ehemaligen Stephaneer in die gemeinsamen Weihnachtsprogramme eingebunden. "Ich muss rechtzeitig das Repertoire planen, überlegen, was ich welchem Chor zumuten kann und Chorsätze gegebenenfalls umschreiben", erklärt er die gedankliche Vorarbeit. Die eigentlichen Proben für die Konzerte beginnen dann im Oktober. Dann ist auch bald Zeit fürs Üben des Krippenspiels, das traditionell von der Jungen Gemeinde und Konfirmanden, musikalisch begleitet vom Kinderchor, aufgeführt wird. Die Instrumentalbegleitung übernimmt der Kantor am Synthesizer, dessen Klang der Musiker besonders liebt. Im vergangenen Jahr sei wenig Zeit geblieben, seinem Hobby zu frönen. "Soloprojekte habe ich gar nicht verfolgt, im Moment ist das Instrument eher Arbeitsmittel als Soloinstrument", bedauert Wiesenberg ein wenig, der vor einigen Jahren bis zu 20 Solokonzerte mit experimenteller Synthesizer-Musik gegeben hatte. Im kommenden Jahr sei ein Konzert in Schönebeck schon fest eingeplant.

30 Jahre im Dienst der Kirchenmusik. Macht das noch Spaß? Wiesenberg muss nicht lange überlegen, um das zu bejahen. "Meine Ansprüche sind gestiegen im Laufe der 30 Jahre, die Besetzungen und das Repertoire der einzelnen Gruppen ändern sich ständig", sagt er. Manches sei Routine, aber er sei bestrebt, "immer wieder was Neues draufzusetzen". Er freut sich darüber, dass die Professionalität der Turmbläser zum Beispiel, die im Advent fast jeden Tag die vielen Stufen im Turm der Stephanikirche erklimmen, deutlich gewachsen ist. Er habe das Gefühl, die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Und dieses Gefühl sei ein sehr schönes.

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