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VON DANNY GITTER
DESSAU/MZ - Sie sind nur wenige Quadratzentimeter groß und bieten dennoch genug Fläche für eine wichtige Botschaft. Sieben Steine vor dem ehemaligem Rabbinerhaus in der Dessauer Kantorstraße 3 erinnern seit gestern an die jüdischen Familien, die hier einst lebten. Gemäß seinem persönlichem Motto "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist" , trat der Initiator und Kölner Künstler der Stolpersteine, Gunter Demnig, in Aktion und versenkte die mit Messingtafeln versehenen Steine im Boden als Erinnerung für die Nachwelt.
Viele Besucher kamen und drängten sich dicht, um der Aktion und der anschließenden Gedenk-Zeremonie beizuwohnen. Mit musikalischen Beiträgen und Rezitationen eröffneten Schüler des Liborius-Gymnasiums die Gedenkveranstaltung, die in der Kantorstraße begann und in der Askanischen Straße, der Antoinettenstraße sowie der Medicusstraße fortgesetzt wurde. Am Ende waren es 13 weitere Namen, die jetzt in der Dessau-Roßlauer Gedenkkultur einen festen Platz haben.
"Dies ist ein mutiger Beitrag gegen das Vergessen." Stephan Kramer Zentralrat der Juden
Isidor und Helene Walter, Erna und Lotte Heumann sowie die Namen anderer Angehöriger der Familien sollen in der Kantorstraße die Erinnerung an die sieben Einzelschicksale lebendig halten. Es sind Schicksale, die allesamt ein grausames Ende in der Zeit des Nationalsozialismus fanden. Das Leben von Isidor Walter, dem letzten Dessauer Rabbiner, erfuhr eine dramatische Wende in der Pogromnacht im November 1938. Fast vier Jahrzehnte jüdischen Lebens und kultureller Bereicherung in der Stadt wurden auf einen Schlag beendet. Nach Walters Verhaftung und anschließender Inhaftierung in Buchenwald kehrte der Rabbiner nicht mehr nach Dessau zurück. Einer kurzen Episode der Freiheit in Berlin folgte bald die endgültige Deportation.
"Möge daher jeder Stolperstein ein Anstoß zum Gedenken sein", brachte Günter Donath, Pfarrer in Rente und Mitglied der Arbeitsgruppe Gedenkkultur, seinen Wunsch zum Ausdruck.
Allzu oft sind es nur noch Mahnmale, welche die Erinnerung und das Gedenken an das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus in Deutschland aufrechterhalten können. "Jungen Generationen ist es kaum noch möglich, Zeitzeugen zu hören" stellte Stefan Exner, Vorsitzender des Dessau-Roßlauer Stadtrates, mit Bedauern fest. Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist ihm daher ein besonderes Anliegen.
Stephan Kramer fasste den Begriff weiter. "Wir müssen gegen jede Form von politischem Extremismus entschieden vorgehen", lautete die Botschaft des Generalsekretärs des deutschen Zentralrats der Juden. Alle müssten Verantwortung übernehmen und der Diskriminierung von Minderheiten entgegentreten, wünscht sich Kramer.
Minderheiten, derer die Stolpersteine auch gedenken, sind unter anderem Sinti und Roma, Homosexuelle und politisch Verfolgte. Den vielen anwesenden Schülern schrieb Kramer ins Stammbuch "mehr Selbstbewusstsein als Bürger und Demokraten zu entwickeln". Diese Haltung und dieses Denken erzeuge mitunter viel Widerspruch. Sei aber für eine lebendige Demokratie notwendig.
Insgesamt schätzt der Generalsekretär die Aktion der Stolpersteine "als einen mutigen Beitrag gegen das Vergessen und als bleibende Mahnung für die Zukunft gegen den Ungeist der Vergangenheit" ein. "Die Stolpersteine sind eine gute Idee, der Opfer zu gedenken", schloss sich Marco Kretschmer, einer der anwesenden Schüler der Meinung an.

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