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Jobabbau im Tagebau Jobabbau im Tagebau: Mibrag will bis zu 300 Stellen streichen

Von Steffen Höhne 10.03.2016, 19:09
Mibrag
Mibrag Zentralbild

Zeitz - Der Umbau des deutschen Energiesystems auf erneuerbare Energien wirkt sich nun auch negativ auf die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) aus. Das Unternehmen aus Zeitz (Burgenlandkreis) lieferte im vergangenen Jahr deutlich weniger Kohle an Kraftwerke und verbuchte einen Gewinneinbruch. Als Konsequenz soll in den kommenden Jahren Personal abgebaut werden.

Unternehmen setzt auf Vorruhestandsregelungen

„250 bis 300 Stellen sollen bis 2020 wegfallen“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Bernd-Uwe Haase der MZ. Dies werde allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen. Ein Großteil der Stellen von Beschäftigten, die in Rente gehen, werde nicht mehr besetzt. Zudem setzt Haase auf Vorruhestandsregelungen. Ausgelernte Azubis erhalten nur noch befristete Verträge. Die Mibrag-Gruppe beschäftigt insgesamt rund 3.000 Mitarbeiter im Süden Sachsen-Anhalts. Die Nachricht des Stellenabbaus kommt überraschend, denn in den vergangenen Jahren verzeichnete der Kohleförderer steigende Umsätze und stellte neue Mitarbeiter ein. Das Unternehmen profitierte von einer „Sonderkonjunktur“. Nach dem Atomunglück im japanischen Fukushima wurden in Deutschland gleich mehrere Atomkraftwerke stillgelegt.

Braunkohlekraftwerke konnten daher ihre Kapazitäten besser auslasten. Doch da immer mehr Wind- und Sonnenstrom in den Netzen ist, leidet auch das Geschäft der Bergbau-Firma. Laut Haase setzte die Mibrag 2015 rund 1,9 Millionen Tonnen Braunkohle weniger ab als im Vorjahr (19,5 Millionen Tonnen) So wurde weniger Kohle an das eigene Kraftwerk in Buschhaus (Niedersachsen) geliefert. Auch das Kraftwerk Lippendorf (Sachsen) fragte weniger nach, weil es seine Leistung drosseln musste. Haase geht davon aus, dass sich der Absatz der Mibrag in den kommenden Jahren bei 18 Millionen Tonnen einpendeln wird. Die Kraftwerke Schkopau (Saalekreis) und Lippendorf als Großabnehmer gehörten zu den modernsten Deutschlands. Sie würden zum Gelingen der Energiewende weiter benötigt.

Gewinn um 80 Prozent eingebrochen

Noch stärker als der Absatz brach der Gewinn ein. Er ging nach vorläufigen Zahlen um 80 Prozent auf 14 Millionen zurück. Die Mibrag verkaufte nicht nur weniger Kohle, auch der Preis für die Tonne ging zurück. Zur Erschließung neuer Abbaufelder wurden zudem die Investitionen auf 56 Millionen Euro erhöht.

Interessant ist, dass die Mibrag die Zahlen jetzt herausgibt. Das Unternehmen war in den vergangenen Jahren sehr profitabel. Die Gewinne wurden an den tschechischen Eigentümer EPH abgeführt. Dieser will aktuell Kraftwerke und Kohletagebaue von Vattenfall in der Lausitz erwerben. Die Gebote sollen nächste Woche abgegeben werden. Hohe Gewinne der Mibrag wären wohl kein gutes Argument, um einen niedrigen Kaufpreis auszuhandeln. (mz)